Die Geschichte in einem Satz: Donald Duck und seine Neffen gehen mit Käpt’n Kakadu auf Schatzsuche in der Karibik und müssen sich gegen Kater Karlo behaupten.

Donald Duck finds Pirate Gold bzw. Piratengold von Bob Karp geschrieben und von Carl Barks und Jack Hannah illustriert, ist ein sehr frühes Werk von Barks aus dem Jahr 1942 (laut Duckpedia aber nicht sein Erstlingswerk). Mir liegt die Übersetzung von Dr. Erika Fuchs aus dem ersten Band der Barks Library Special Donald Duck 1 aus dem Jahr 1994 vor, die noch ein ausführliches Nachwort von Bruce Hamilton enthält und einen Text von Barks selbst, der aus Interviews zusammengestellt wurde. Ich habE die Geschichte am 18.09.2025 gelesen.

Zum Talk Like A Pirate Day eine Piratengeschichte. Piratengold ist eine besondere Geschichte, die als Filmprojekt begann und sich an Robert Louis Stevensons Schatzinsel orientiert. Donald betreibt mit seinen Neffen das „Wirtshaus zum blutigen Butt“ und in einer stürmischen Nacht erscheint Käpt’n Kakadu an der Tür. Er wird verfolgt von Kater Karlo und muss sich verstecken, denn der kleine Kapitän weiß, wo sich ein Piratenschatz befindet. Obendrein soll hier im Wirtshaus die Schatzkarte zu finden sein und tatsächlich: Kakadu und die Ducks finden die Karte. Jetzt brauchen sie noch ein Schiff … Und so kommt Kater Karlo mit seinen Kumpanen Ratz und Oliver wieder ins Spiel. In Verkleidung einer Witwe verkauft Karlo den Schatzsuchern sein Schiff und wird so Teil der Abenteuerfahrt. Vergeblich sucht der Bösewicht nach der Karte, um sich Kakadu und den Ducks zu entledigen, aber er findet das Schriftstück einfach nicht. Doch dann fliegt der ganze Schwindel auf, die Ducks und Kakadu unterliegen allerdings im Kampf und dank Tick, Trick und Track gelingt ihnen die Flucht auf einem Floss. Sie finden die Schatzinsel, aber Karlo und seine Crew ist ebenfalls hier. In der alten Piratenhöhle von Raffaelo Rappalo begegnen die Schatzsucher einem „Geist“, der sich wenig später als Karlo entpuppt. Doch Kakadu hat nun genug Hinweise und kann anhand der Landmarken auf der Insel und seiner Karte den Ort des Schatzes ausfindig machen. Noch einmal versucht Karlo die Gruppe zu überwältigen, aber es gelingt nicht und mit dem Schatz im Lagerraum treten die Ducks und Kakadu die Heimreise an.

Trotz ihrer Länge von 64 Seiten liest sich die Geschichte schnell weg. Storyboardartig bewegt sich die Geschichte rasch vorwärts wie die Weiße Lilie auf offener See. Es gibt für mich zwei sehr schöne Überraschungen und ein paar besonders schöne Übersetzungen. Zu letzteren möchte ich gern Käpt’n Kakadus Seemannssprache hervorheben, die den alten Seemann wunderbar charakterisiert. Weiterhin wird mir Kater Karlos Satz „Der Zucker ist hygienisch aufbewahrt. Das ist schon was!“ wohl noch einige Zeit länger im Kopf herumspuken. Das wird besonders lustig, weil Karlo sich zwar um einen sauberen Küchenarbeitsplatz sorgt, selbst hingegen aber beim Essen der Buttensuppe alles andere als hygienisch vorgeht (siehe S. 9).
Die erste große Überraschung, die mich amüsierte, war allerdings der Bezug der Kapitänskajüte auf der Weißen Lilie (siehe S. 22). Aus der kleinen Kajüte werden Äxte, Gewehre, Bajonette, Patronengurte, Schießpulver, Ketten, eine Kanone und noch mehr Schießpulver herausgetragen. Donald ist entsetzt! Karlo (verkleidet als Witwe) entgegnet im letzten Panel auf S. 22: „Ach deswegen? Keine Sorge! Das ist mein Hobby. Ich sammle sowas.“
Die zweite Überraschung ist sogar plotrelevant: Die Schatzkarte von Kakadu besitzt nämlich ein großes Loch in der Mitte. Man fragt sich, wo das fehlende Stück ist … Und zum Schluss stellt sich heraus, dass Kakadu die fehlenden Zeichnungen auf seine Brust tätowieren ließ. Eine sehr schöne Idee für eine Piratengeschichte. Genauso passend, wie der Kakadu – das Piratenmaskottchen – als großer (kleiner) Piratenkapitän mit Holzbein.

Es gibt auch ein paar sehr schöne Panel in Piratengold bei denen Licht und Schatten wunderbar zur Geltung kommen. So ist die Sturmnacht gut inszeniert und erreicht auf S. 5 im Gasthaus ihren Höhepunkt, als Donald die Laterne entzündet. Tiefschwarze Schatten zerreißen das Panel und das sieht im warmgelben Laternenlicht einfach fabelhaft aus. Ebenfalls einige Schauwerte hat die Weiße Lilie, die durchs Meer pflügt (siehe S. 34). Gerade in der Nacht und im Sonnenuntergang (siehe S. 27 und S. 50) wird der Dreimaster gut eingefangen.

Trotz dieser Vorzüge ist Piratengold etwas zu seicht, um sich zu den großen Geschichten zählen zu können. Ja, Kakadu zu begleiten macht Spaß, aber es fehlt die Barks typische Liebe zu Details und Hintergrund. Wortwörtlich ist der Hintergrund oft sehr einfarbig, schlicht und lässt die historischen Recherchen vermissen – kein Vergleich zu späteren Geschichten.

Und noch ein gutes Zitat: Eine Art X! So wird immer der Ort markiert, wo ein Schatz vergraben ist.

Rollenspielerisches

Die Schatzinsel ist einer der besten Piratenromane und viele Bilder und Themen dieser Geschichte kommen natürlich auch in Piratengold vor. Die Schatzsuche als Thema ist rollenspielerisch wahrlich nichts Neues, aber dennoch ein schönes Abenteuer mit folgenden Zutaten:

  • Eine stürmische Nacht und ein altes Gasthaus
  • der geheimnisvolle Fremde mit der Schatzkarte und dem Ziel einen Schatz zu finden
  • die Suche nach einem Schiff und Reisevorbereitungen (Frachtlisten!)
  • die feindliche Gruppe, die ebenfalls auf der Suche ist und an Bord sogar eine Meuterei startet
  • Ein Kampf auf einem Schiff
  • die Karibikinsel mit einem Geheimnis, einem alten Piratenstützpunkt, seltsamen Landmarken und sogar einem Gespenst
  • X markiert den Punkt!
  • Und am Ende der sagenumwobene Schatz. Eine Truhe voller Dublonen, Geschmeide und Gold.

Werfen wir mal einen Blick auf Kater Karlo unseren Gegenspieler. Karlo ist körperlich deutlich stärker als Donald und Kakadu. Er ist besser bewaffnet und er ist auch nicht dumm. Sein Plan die Schatzkarte zu erbeuten ist gut, aber Kakadu ist einfach cleverer. Die größte Fertigkeit die Karlo in dieser Geschichte aber besitzt ist sein Talent für Verkleidungen. Wie in einer Episode Mission Impossible gelingt es Karlo die Ducks und Kakadu zu täuschen. Nicht nur kann er sich erfolgreich als Witwe ausgeben, nein es gelingt ihm sogar sich als Gespenst zu verkleiden und den Ducks einen Schrecken einzujagen. Die Idee von Verkleidungen (oder Illusionen, Doppelgängern) auf einer Schatzsuche ist in der Tat reizvoll. Es spielt mit der Idee einer Expeditionsgruppe, bei der jeder noch seine eigene Agenda hat oder bei der nicht alle das sind, was sie zu sein vorgeben. Für einen One Shot sicherlich perfekt auch für die Spielercharaktere geeignet, bei einer größeren Kampagne aber wohl besser für die NSC zu nutzen.

Piraten und Untote finde ich seit Monkey Island genauso gut wie Zimt & Zucker. Natürlich bietet Piratengold hier nur eine Verkleidung, aber das muss ja in einer Rollenspielrunde nicht sein. In Pirate Borg (gerade in der Vorbestellung) gibt es eine ganze Reihe an Untoten, die man als SL ins Gefecht führen kann. Warum funktionieren Untote eigentlich so gut mit Piraten? Ich glaube das liegt an der Neuzeit, zum einen die fortgeschrittene Technologie (Schießpulver, Pistolen, moderne Segelschiffe, etc.), die dann auf das Übernatürliche trifft, und zum anderen auf den Gedanken, dass man zu dieser Zeit der Entdeckungen, die Welt schon ausführlich erkundet glaubte. Ein Irrglaube natürlich – auch Hybris – der noch deutlicher Zutage tritt, wenn das Jenseits ins Diesseits strömt. Außerdem noch ein drittzer Punkt: Das Meer ist ein schrecklicher Ort. Menschen können hier nicht überleben und vielen haben in Stürmen und sinnlosen Gefechten ihr Leben gelassen. Eine schreckliche Vorstellung, wenn man überlegt, was alles in der Tiefe lauert.

Zuletzt ein Wort zum Vokabular. Der Wortschatz von Käpt’n Kakadu erzeugt Atmosphäre und beschreibt auch seine Kompetenz. Mit seiner Seemannssprache gewinnt man sofort den Eindruck, dass man mit einem gestandenen Seefahrer spricht. Diesen Trick kann man sich im Rollenspiel abschauen und gilt natürlich nicht nur für Seemannssprache. Magierinnen können von phlogistonischen Interferenzen sprechen, der Ingenieur muss die Phasenvarianz anpassen und der New Yorker Cop hat mal wieder eine 10-18. Man kann sich als SL einfach ein paar Begriffe notieren und seiner Beschreibung so etwas Flair verleihen.

Rollenspielerische Randnotizen

  • Donald muss sein Netz voller Fische opfern, damit er mit seinen Neffen zurück zum Hafen kommt. Ein gutes Beispiel für Risk & Reward. Was nützen einem schon Reichtümer, wenn man nicht zum sicheren Hafen zurückkehren kann. Und dann ist das aufgegebene Netz auch noch Motivation genug, um auf Schatzsuche zu gehen.
  • Der Schiffskampf nutzt Vertikalität (Donald im Ausguck, die Neffen unter Deck suchen einen Fluchtweg), was jeden Kampf verbessert.
  • Der Totenkopfbaum ist eine gute Landmarke und hat obendrein noch ein kleines Rätsel (durch den Schädel gucken).
  • Neben Münzen findet man in der Schatztruhe noch eine Krone, Armreifen und eine Perlenkette. Man fragt sich, wem diese Kostbarkeiten wohl einst gehört …

Quellen

  • Karp, Bob; Barks, Carl; Hannah, Jack: Piratengold, in: Barks Library Special Donald Duck Nr. 1, Stuttgart, 1994
  • Duckipedia über Piratengold