In einem Interview über Megadungeons berichtet James Maliszewski (das Interview wird geführt von Ben Laurence in Mazarins Garden) über seine erste Begegnung mit Science Fiction in einer Fantasy-Welt. Es ist natürlich die Rede von Expedition to the Barrier Peaks. Als Jugendlicher, so Maliszewski, habe ihn diese Mischung gestört, aber auch seltsam fasziniert.

Ich nickte zustimmend, als ich diesen Teil des Interviews hörte. Ich wuchs in einer Zeit auf, als Fantasy und Science Fiction deutlich voneinander getrennt wurden. Natürlich sind Raumschiffe in Aventurien unvorstellbar (und ich habe Borbarads Fluch auch nie als Jugendlicher gespielt), dass die Kinder von Narnia aus unserer Welt stammen und dann ein Fantasy-Reich aufsuchen hat mich früher verwirrt, genauso wie in Die Herren von Fionavar von Guy Gavriel Kay, dessen Romanreihe ich als Jugendlicher zur Seite legte, eben weil der Autor unsere Welt mit einer Fantasy-Welt verknüpfte. Dagegen habe ich He-Man immer akzeptiert und die Science-Fantasy-Elemente nie in Frage gestellt. Eine gewisse Faszination ist da und je älter ich werde, umso reicher wurde das Genre Fantasy für mich: Jack Vance und Die Sterbende Erde, DCC – Bis die Zeit gefriert, Dreiherz von Poul Anderson oder auch Panik auf dem Purpurplaneten. Ja, selbst Borbarads Fluch habe ich inzwischen gelesen, damit ich es im Rahmen der ELF bearbeiten kann.

Rollenspielerisch begegnete ich dem Es-ist-eigentlich-ein-Raumschiff-Trope als erstes in Cthulhu. Kinder des Käfers (von Frank Heller) führt in eine Kleinstadt voller riesiger Insekten und einem seltsamen Höhlensystem. Die Wendung gelingt geschickt, da nicht zuletzt kosmischer Horror ein Teil der Science-Fiction ist. Aber hätte mir das in einem D&D-Abenteuer gefallen? Zu dieser Zeit vermutlich nicht. Ich mochte Fantasy, hatte den Herrn der Ringe gelesen, Drizzt, die Drachenlanze, Die Chroniken von Erdsee und vieles mehr. Fantasy bedeute für mich eine in sich phantastische Welt, die möglichst wenig mit unserer Welt zu tun hat. Ja, die Vergessenen Reiche heißen vergessen, weil wir den Weg nach Toril in unserer Welt nicht mehr auffinden können und ich war sehr dankbar für dieses Vergessen.

Der Schriftsteller Harlan Ellison verabscheute es leidenschaftlich (er konnte bei gewissen Themen äußerst leidenschaftlich sein) in die Kategorie „Science Fiction“ gesteckt zu werden. Er verachtete den Begriff deswegen, weil die meisten Leute denken würden, er schreibe Geschichten wie „Der Pudding, der Chicago verschlang“ oder „Buck Rogers“ und keiner seiner Texte ließe sich diesem Genre zuordnen. Gute Literatur ist gute Literatur, egal welches Genre draufsteht. Ellisons letzter Gedanke zur Nichteinordbarkeit ist wichtig. Wir haben den Drang alles zu sortieren. Sword & Sorcery, High Fantasy, Low Fantasy, Dark Fantasy etc. Um einen schnellen Überblick über die Geschmacksrichtungen zu erhalten, ist das praktisch. Aber man sollte, gerade wenn man etwas Schreiben möchte, sich breit aufstellen und nicht verschließen. Oder anders gesagt: Wer seine Fantasy und seine Science-Fiction getrennt haben will, verpasst wortwörtlich fantastische Abenteuer.